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Lesen, was lustig ist – Spannende Sport-App Mit Picke. aus dem Funke-Haus

Die Funke-Medien sind bisher nicht durch übermäßige Innovationen aufgefallen, aber mit Mit Picke. gibt es plötzlich eine interessante App, die Fußball auf neue Art erzählt, obwohl sie selbst sehr wenig erzählt. Praktisch eine Art Flipboard für Fußball-Geschichten. Während der auch von Über die Linie! begleiteten Testphase haben die Entwickler schnell auf Vorschläge reagiert und die App mitunter mehrmals täglich aktualisiert. Das Ergebnis kann sich sehen und für iOS und Android herunterladen lassen. Zu bemängeln gibt es nur eins: Das integrierte Benutzertracking von Mixpanel lässt sich noch immer nicht abschalten. Hier besteht weiterhin Handlungsbedarf.

Wir haben mit dem verantwortlichen Redakteur David Nienhaus über Mit Picke. gesprochen. Er ist auf Twitter bekannt als @ruhrpoet, preisgekrönte @sportgeschichte oder das @dassportwort – allesamt verfolgenswert.

Sportjournalist David Nienhaus
Sportjournalist David Nienhaus

Über die Linie: In MitPicke. sammelt Ihr Fußballthemen auf eine neuartige Weise in einer App für Android- und Apple-Smartphones – was habt Ihr damit vor?

David Nienhaus: Mit Picke. soll aktuell, lustig und informativ sein. Wir wollen Fußball-Geschichten anbieten und die schönsten Artikel und kreativsten Tweets in einer Story zusammenstellen. Die Leser sollen die ganze Geschichte in einer App vorfinden und dazu die wichtigsten Texte lesen können. Das kann Schweinsteigers neue Freundin Ivanovic sein, aber natürlich auch der Kagawa-Hype oder die schönsten Fußball-Choreographien.

Wir verwenden hauptsächlich, aber nicht ausschließlich Texte unserer Funke-Mediengruppe (also WAZ, Westfälische Rundschau und Co.) – wenn es ein passendes Interview in der Welt gibt oder ein gutes Hintergrundstück beim Spiegel, dann gehört das zur Story, und wir haben kein Problem, Mit Picke. damit anzureichen. Die Inhalte einer Story setzen sich zusammen aus Funke Mediengruppe plus non-Funke sowie Blogs, Twitter, Facebook, Instagram und YouTube. Wichtig ist: Die Klicks bleiben bei den jeweiligen Verlagen.

Über die Linie: Für welche Leser macht Ihr das?

David Nienhaus: Wir machen keine 1:0-Berichterstattungs-App. Wir haben allerdings die Bundesliga-Konferenz am Samstag in Tweets abgebildet – das kam ganz gut an. Du wirst in Mit Picke. letztlich nicht nachgucken können, wie dein Verein gerade gespielt hat, sondern eher am nächsten Tag die Analyse dazu lesen können. Wir denken beispielsweise an den Berufspendler, der auf dem Weg zur oder von der Arbeit ist, Angestellte, die in der Mittagspause oder in ruhigen Minuten Fußball-Geschichten lesen wollen, oder wenn man abends in der Kneipe jemandem etwas zeigen möchte.

Über die Linie: Welche Redakteure wählen die App-Inhalte aus? Wie hoch ist Euer redaktioneller Aufwand?

David Nienhaus: Wir machen die App mit einem kleinen Team aus der Onlinesport-Redaktion von Der Westen sowie den Kollegen vom Reviersport. Der Fokus von Reviersport liegt auf den unterklassigen Ligen, so dass Mit Picke. nicht nur Bundesliga-Geschichten bringt, sondern im Idealfall auch mal bis in die Kreisligen schaut.

Wenn wir uns für ein Thema entschieden haben, kuratiert ein Redakteur die interessantesten Elemente und stellt die Story zusammen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass unsere Kollegen in Braunschweig, Berlin, Hamburg oder Thüringen auch bald dazukommen. Mal gucken.

Aufmacher-Thema Schweinsteiger in Mit Picke. am 11.9.2014
Aufmacher-Thema Schweinsteiger in Mit Picke. am 11.9.2014

Über die Linie: Wie oft wird Mit Picke. aktualisiert?

David Nienhaus: Wir müssen den richtigen Rhythmus erst mal finden. Wir sind ein kleines Team und machen Mit Picke. zusätzlich zur normalen Arbeit. Vermutlich werden wir pro Tag drei bis vier Stories anlegen. Es wird aber auch Tage geben, wo es nur zwei gibt und an anderen vielleicht fünf.

Über die Linie: Wie ist die App entstanden? Hattet Ihr Vorbilder?

David Nienhaus: Mit Funke Digital haben wir in Berlin unsere „Forschungsabteilung“. Sie beschäftigt sich unter anderem mit Startups und Neuen Medien. Die App war ein Testballon des Berliner Unternehmens clapp mobile. Wir wurden von unserer Berliner Dependance gefragt und waren von Design und Leichtigkeit der App angetan.

Der erste Gedanke bei der App ist: auf was können wir alles verzichten? Inhaltsverzeichnis? Ein Muss. Genauso wie das Impressum. Aber ansonsten haben wir die Bedienung total reduziert auf rechts-, links-, hoch- und runterwischen. Das hatte ich so noch nie gesehen und war sofort Feuer und Flamme. Ein Vorbild hatten wir bei der App nicht. Unsere Inspiration war also nicht Fokus Fußball – auch wenn die sehr geschätzten Kollegen einen tollen Job machen. Das sind zwei Paar Schuhe.

Über die Linie: Wie messt Ihr Euren Erfolg?

David Nienhaus: Wir haben keine Vorgaben, nach einer bestimmten Zeit eine bestimmte Anzahl von Downloads erreicht haben zu müssen. Aber wir wünschen uns, dass die App durch die Decke geht (lacht). Ich würde mich freuen, wenn die Leute sagen: das ist eine hochwertige, humorvolle Ergänzung zu dem, was ich bereits habe oder kenne. Leute zum Schmunzeln zu bringen finde ich wichtig.

Über die Linie: Bleibt die App kostenlos?

David Nienhaus: Mit Picke. bleibt erst mal kostenlos. Das ist der Plan. Sicherlich werden wir über Werbung nachdenken. Die soll aber im Design integriert werden und nicht störend wirken.

Über die Linie: Welche weiteren Features sind geplant?

David Nienhaus: Wir wollen möglichst bald, dass man Stories komplett teilen kann, nicht nur einzelne Elemente. Auf der Facebook-Seite und bei Twitter versuchen wir das schon. Wir wollen auch, dass man YouTube-Videos in der App sehen kann statt auf der YouTube-Site – das ist momentan bei iOS noch ein Problem. Soll aber bei iOS8 behoben sein. Außerdem kommt eine Tablet-Version – schon ganz bald. Aber wir planen kein Archiv, keine Suche, keine zig zusätzlichen Elemente.

Es wird allerdings eine Landing-Page bei geben, wo die Mit Picke.-Storys weiter zusammenhängend angeschaut werden können. Aber es ist und bleibt ein Smartphone-Projekt.

Über die Linie: Besten Dank für das Gespräch.

 

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